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Media-Praktikum in Beijing

von Felix

Von September bis November 2013 habe ich im Anschluss an mein Auslandssemester in Peking mein Praktikum bei einer Firma im Bereich Medien absolviert. Diese Firma wurde 2010 als chinesisches Medienunternehmen in Deutschland gegründet und produziert eine Fernsehsendung, die über verschiedenste Facetten der chinesischen Kultur berichtet und in lokalen Sendern regelmäßig ausgestrahlt wird. Die Firma steht in enger Kooperation mit ihrem chinesischen Mutterunternehmen. Gemeinsam unterstützen die beiden Unternehmen Projekte, die den kulturellen und wirtschaftlichen Austausch zwischen China und Deutschland fördern sollen.

Mein Praktikum habe ich im Bereich Übersetzung und sprachlicher Synchronisation absolviert. Ich hatte dort die Position eines Übersetzers inne, war aber auch mit vielen anderen Aufgaben betraut. Das Unternehmen schien mir eine gute Wahl zu sein, da der Bereich deutsch-chinesische bzw. europäisch-chinesische Kooperation, ein Berufsfeld mit einiger Perspektive ist, das ich mir auch für meine berufliche Zukunft vorstellen könnte.

Den Kontakt zum Unternehmen hatte mein damaliger Hochschullehrer in Peking hergestellt. Nach einem kurzen Vorstellungsgespräch, bei dem es bereits um einige Details meiner Arbeit ging und deswegen kein wirklicher Test mehr war, ging es sofort los.


Das Praktikum erstreckte sich über zwei Monate, in denen ich jeden Nachmittag halbtags parallel zum Unterricht gearbeitet habe.

Für meine Tätigkeit gab es eine Bezahlung, die sich anhand der Anzahl der übersetzten chinesischen Zeichen berechnet hat.

Meine Hauptaufgabe bestand im Übersetzen von chinesischen Texten ins Deutsche. Die Texte waren zum allergrößten Teil Sprechtexte der Moderatoren oder Interviews aus Dokumentationen über chinesische Orte, Kulturen oder Bräuche, und natürlich sehr oft über chinesisches Essen. Von Zeit zu Zeit mussten auch Texte für die interne Unternehmenskommunikation übersetzt werden.

Der zweite Schritt war dann die Synchronisation. Als Synchronsprecher habe ich häufig eigene Übersetzungen oder die meiner Kollegen für die Ausstrahlung der Dokumentation in Deutschland im Rahmen der Sendereihe der Fernsehsendung aufgenommen. Mit der Einsicht des Bildmaterials habe ich dann den chinesischen Kollegen geholfen Ungereimtheiten in der Übersetzung und der Synchronisation ausfindig zu machen und zu korrigieren.

Eine dritte Aufgabe war die Unterstützung von deutschen Kollegen, die die einzelnen Dokumentationen für die Ausstrahlung in Deutschland anmoderiert haben. Zu diesem Zweck sind wir mit einem kleinen Kamera-Team an verschiedene Orte in Peking gefahren (Olympia-Park, Houhai u.a.). Meine Aufgabe war es, dem Moderator Tipps und Hinweise zu geben, was den chinesischen Kollegen nicht möglich war.

Meistens waren wir drei bis vier deutsche Kollegen, die Übersetzungen angefertigt haben und vor allem auch die Übersetzungen gegenlesen konnten. Ansonsten gab es keine zweite Instanz, die die Übersetzungen und Sprachaufnahmen kontrolliert hätte. Wir Übersetzer waren alle Praktikanten und es lag an uns allein die Übersetzungen so vorzubereiten, dass sie für die Ausstrahlung im Fernsehen brauchbar waren.

Leider war die Arbeit im Büro durch schwache Kommunikation und Organisation gekennzeichnet. Im unübersichtlichen Netzwerkordner gingen des Öfteren Dateien verloren und es gab keine etablierte Kommunikation, etwa durch interne E-Mails. Besonders schwach war die Kommunikation zwischen den verschiedenen Ebenen. Die Aufgaben wurden mit nur äußerst knapp bemessenen Informationen von den Chefs an die Mitarbeiter weiter gereicht, leider auch oft in einem sehr engen Zeitrahmen, wodurch mitunter die Qualität der Übersetzungen zu leiden hatte.

Oft musste man übersetzen und synchronisieren ohne das Bildmaterial zu kennen, weil die Zeit fehlte. Eine Struktur oder ein Zeit- und Arbeitsplan waren nicht erkennbar. Zudem wechselten die chinesischen Angestellten so schnell, dass man sich als Praktikant bald als erfahrener „Senior Employee“ gefühlt hat. Man hatte oft Verbesserungsvorschläge für das Management im Kopf, fühlte sich aber nicht so gut in das Unternehmen integriert, da die Kommunikation zwischen Chef-Etage und Mitarbeitern mangelhaft war. Auf diese Weise war es schwierig sich vorzuwagen und als Praktikant Verbesserungsvorschläge zu machen, vor allem wenn das Vertrauen in das eigene Chinesisch noch nicht so groß war.

Man muss aber sagen, dass die Atmosphäre zwischen den Mitarbeitern trotzdem meist sehr angenehm war. Und auf unterer Ebene fand eine viel regelmäßigere Kommunikation statt. Die Mittagspausen, in denen man manchmal zusammen essen war, haben zu der guten Atmosphäre beigetragen. Es fehlte allerdings das Gefühl, dass man zusammen an einem Projekt arbeitet, da, wie bereits erwähnt, kein Plan zu erkennen war und es keinen Kollegen gab, der eine ungefähre Übersicht über die momentanen Aufgaben zu haben schien. Offizielle und terminlich festgesetzte Teambesprechungen gab es nie.

Erfreulich war, dass man während der Arbeit ständig in Kontakt mit chinesischer Sprache und Kultur war. Und zwar sowohl durch die Übersetzungen selbst, aber auch durch den Inhalt der Dokumentationsfilme. Auch die Kommunikation mit den chinesischen Mitarbeitern wurde zum größten Teil auf Chinesisch bewerkstelligt.

Insgesamt kann man sagen, dass das einzige was man aus diesem Praktikum mitnehmen konnte, eine Menge Erfahrung im Übersetzen von chinesischen Texten war. Ansonsten hat diese Arbeit meiner Meinung nach in keiner Weise die Arbeitsverhältnisse widergespiegelt, die man in einem wettbewerbsfähigen Unternehmen antreffen wird. Vielleicht trifft dieser negative Eindruck nur auf die Produktion der Fernsehsendung zu, da ich von anderen Projekten des Unternehmens wenig oder gar nichts mitbekommen habe. Jedenfalls schien es nicht wichtig zu sein, Kunden bzw. Zuschauer zu gewinnen oder zu halten. Die Sendung musste produziert werden, aber auf die Qualität wurde kaum geachtet. Wir hätten als unausgebildete Übersetzer, das Blaue vom Himmel übersetzen und synchronisieren können und hätte dies erst in Deutschland gemerkt – und das teilweise einen Tag vor der Ausstrahlung.

Es gab keine einzige Besprechung, in der man sich ernsthaft hätte einbringen können. Naheliegende Verbesserungen wie eine längerfristige Planung bzw. überhaupt irgendeine Planung, oder, dass es dem Übersetzer und Synchronsprecher helfen würde, das Bildmaterial der Dokumentation zu kennen, wurden nicht ins Auge gefasst.

Der Gedanke liegt nahe, dass das Programm in irgendeiner Weise subventioniert wurde, aber selbst in diesem Fall könnte man einen gewissen Qualitätsanspruch erwarten. Egal in welcher Branche, mit einem so geringen Maß an Organisation wird jede Firma oder Institution, die in irgendeiner Weise in Wettbewerb steht oder einem Leistungsanspruch unterliegt, größte Schwierigkeiten bekommen. Aus diesen Gründen fällt es mir schwer dieses Praktikum als echte Berufserfahrung zu werten.

Aber vielleicht war auch das eine wichtige Erfahrung, weil man auch dazu angeregt wurde, darüber nachzudenken, wie man Abläufe verbessern kann, auch wenn manche Probleme allzu augenfällig waren.

Als sehr gute Erfahrung bewerte ich das chinesischsprachige Umfeld, das Pendeln in Peking von der Uni zum Praktikum und vom Praktikum zum Nebenjob. Dies hat mit dazu beigetragen, dass ich mir gut vorstellen kann, eines Tages länger in China zu leben und zu arbeiten. Schließlich hat man auf diese Weise noch ganz andere Aspekte der aufregenden und spannenden Stadt Peking kennengelernt, als es sonst der Fall gewesen wäre.


Bis auf den eben genannten Punkt wird dieses Praktikum vermutlich keinen Einfluss auf meine berufliche Perspektive und Zukunft nehmen. Ich bin überzeugt, dass in der Medienbranche gewöhnlich auf einem viel professionellerem Niveau gearbeitet wird, sodass diese Tätigkeit mein Interesse an dieser Branche weder verstärkt noch abgeschwächt hat. Das Übersetzen chinesischer Texte als Nebenverdienst halte ich mir allerdings als Option offen. Man kann sagen, dass diese Idee während der Arbeit bei dieser Firma entstanden ist.

Das Praktikum hätte thematisch und fachlich interessant und lehrreich sein können, wenn man tatsächlich in Projekte eingebunden worden wäre und man Rückmeldung über seine Arbeit erhalten hätte. Da dies nicht der Fall war, war die Arbeit natürlich im Grunde auch einfach zu bewältigen, denn die einzigen Ansprüche die man zu erfüllen hatte, waren die an sich selbst. Die größte Schwierigkeit war es in diesem Umfeld, die eigenen Ansprüche aufrecht zu erhalten.

Mir ist bewusst, dass dieser Bericht äußerst negativ erscheinen muss. Deswegen möchte ich zum Schluss klar stellen, dass ich während dieser Arbeit viel Freude hatte und eine Menge erlebt habe. Jedoch kann dieses Praktikum nicht als wertvolle Berufserfahrung oder als Einblick in das Berufsleben bewertet werden. Vielleicht etwas überraschend möchte ich anderen Studenten nicht grundsätzlich von einem Praktikum bei dieser Firma abraten. Es war eine Erfahrung wert, man lernt über sich selbst, über China und sein persönliches Verhältnis zu China und nicht zuletzt war die Tätigkeit sogar nicht schlecht bezahlt. Am Ende bleibt aber, zumindest bei mir, das Bedauern eine Chance verpasst zu haben, ein anspruchsvolleres Praktikum mit mehr Perspektive und besseren Erfahrungswerten zu absolvieren.