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Zusammenarbeit von Deutschen und Chinesen

von Christian Goedel

Interkulturelle Kompetenz  als ein entscheidender Faktor für erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Mitte Europas und dem Reich der Mitte


Oft wird angenommen, die klassischen „Do’s and Dont’s“ zu beherrschen reiche aus, um in einem anderen Land beruflich erfolgreich zu sein. Wenn man als Chinese deutsche Tischetikette beherrscht oder als Deutscher in China die Visitenkarte richtig übergeben kann, dann wird geschäftlich schon alles gelingen. Doch interkulturelle Konflikte und deren Lösungen gehen meist tiefer als das und liegen unter der Oberfläche verborgen.

So werden Deutsche in China in vielen Bereichen hoch geschätzt. Doch bei der alltäglichen Zusammenarbeit hat man auch so seine Mühe mit uns. Wir diskutieren viel, wirken rechthaberisch und wollen immer alles ganz genau wissen und mit detaillierten Plänen versehen. Dies wirkt auf Chinesen oft negativ und kleinlich. Schaut man etwas tiefer so kann man dies erklären. Man kann erkennen, dass die deutsche Geschäftskultur geprägt ist von einer schon in der Schule erlernten „Diskussionskultur“. Es wird geschätzt, eine eigene Meinung zu haben und diese auch verbalisieren zu können. Man kann verstehen, dass aufgrund der deutschen Historie Unsicherheiten im Leben stärker vermieden werden als in andere Kulturen und Deutsche mehr Strukturen und Planung brauchen, um sich „sicher“ zu fühlen. Stichwort: Deutschland als Weltmeister der Versicherungen. Eine derartige Erkenntnis führt für Chinesen zu einem tieferen Verständnis Ihrer deutschen Kollegen als nur zu Aussagen wie „die wollen immer Recht haben“ oder „die sind so starr und unflexibel“.

Andersherum verhält es sich genauso: Deutsche nehmen in Meetings Chinesen oft als zurückhaltend, wenig „diskussionsfreudig“ (was für ein typisch deutsches Wort) und still wahr. Vor dem Hintergrund der deutschen Kultur kann dies schnell als Verweigerung, Unsicherheit oder mangelnde Professionalität bewertet werden. Auch hier hilft es tiefer zu schauen: Die chinesische Kultur ist stärker hierarchisch geprägt. In Schulen wird keine „Diskussionskultur“  durch Aufsätze oder mündliche Beteiligung im Unterricht wie in Deutschland herangezogen. Wird in einem Meeting etwas nicht verstanden, so ist dies oft auch nicht das eigene Gesicht, welches ein Chinese durch Schweigen oder „ja“ sagen bewahren will. In China bedeutet dies vor allem auch, dass der Deutsche es nicht richtig erklärt hat und vor der ganzen Mannschaft im Meeting sein Gesicht verliert! Die Intention von Schweigen kann also so gesehen sehr positiv sein: man will dem deutschen Kollegen helfen. Und nicht etwa negativ, wie oft von Deutschen schnell missverstanden. Versteht man die wahre  Motivation hinter dem Verhalten des Anderen, kann man konstruktiv damit umgehen und kulturgerechte Lösungen finden.

Interkulturelle Probleme sind oft diffus, für die Beteiligten schwer zu fassen und nicht selten stark emotional und von schnellen Vorurteilen geprägt. Vergleicht man aber Kultur mit einem Eisberg, so empfiehlt es sich, unter die Wasseroberfläche zu schauen. Hier findet man oft Erkenntnisse, die einen nicht nur überraschen können, sondern auch eine echte Hilfe bei der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit darstellen.

Christian Goedel, M.A.

Christian Goedel, M.A.
Vertriebsleiter und interkultureller Trainer

 

 

 

 

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