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Rückkehrende Chinesen – Was der Chinesische Arbeitsmarkt zu bieten hat

 

Etwa zwei Drittel der chinesischen Studenten kehren nach ihrem Auslandsstudium wieder nach China zurück. In der Gesamtheit betrachtet ist das recht wenig, doch der Trend ändert sich. Noch sind es weniger Rückkehrer, aber die Zahl steigt.

 

Chinesische Studenten stehen unter sehr hohem Druck. Die Eltern investieren alles nur Mögliche in die Bildung ihrer Kinder, denn die Konkurrenz ist wächst. Je höher die Leistung, desto höher der Stolz der Familie. Auch ist Deutschland eines der beliebtesten Länder für chinesische Expats, nicht zuletzt wegen den wegfallenden Studiengebühren. Dennoch wollen immer mehr Chinesen nach China zurück -  die Gründe sind nicht nur der Kulturschock und Sprachbarrieren. Viele Wirtschaftsbereiche wie zum Beispiel der E-Commerce Sektor erlebt einen vorher noch nie dagewesenen Aufschwung, sodass immer mehr attraktive Karrieremöglichkeiten vorhanden sind. Trotz alledem ist es nicht der IT Sektor, der die chinesischen Expats anzieht. Die meisten geben an, dass der Finanzsektor der Grund sei, warum sie wieder zurückwollen.

 

Hohes Ansehen im Heimatland

Irrtümlicher Weise glauben viele, dass aus Deutschland zurückkehrende Chinesen nur in deutschen Firmen arbeiten können. Es werden aber bei den sogenannten White-Collar Jobs, also Bürotätigkeiten, Auslandserfahrungen vorausgesetzt. Das erhöht einerseits das Ansehen des Unternehmens und andererseits soll damit eine hohe Professionalität ausgedrückt werden.

Betrachtet man es nüchtern, fällt eines besonders auf: Der einfachere Weg ist hier tatsächlich der bessere. Es ist nicht einfach, plötzlich seminarartig mit vielen Diskussionen zu studieren, wie es in Deutschland üblich ist. Wo sind die strikten Pläne, die man in astronomisch kurzer Zeit bearbeiten muss? Kein deutscher Professor geht zu einem Studenten und sagt, was wann wie gemacht werden soll. Vielmehr wird ein Motto oder eine Problemstellung vorgegeben, mit der man buchstäblich alleine gelassen wird. Die dann zustande gekommene Verunsicherung und Demotivation ist auch unter den deutschen Studenten bestens bekannt. In Deutschland studierende Chinesen bräuchten also „nur“ nach China zurückzukehren und haben ungleich bessere Chancen.

 

Emerging Market – bessere Aufstiegschancen?

China ist in den meisten Gebieten noch immer ein aufstrebender Markt. In Deutschland hingegen sind fast überall voll etablierte Strukturen zu finden. Die Karriereleiter ist in China also schneller zu erklimmen als in den westlichen Ländern. Es werden ununterbrochen Projektmanager, Ingenieure oder Techniker gesucht, weil ständig neue Expansionen auf dem Plan stehen. Dafür zählen Eigenverantwortung und Selbstständigkeit zu den grundlegenden Voraussetzungen. Wer internationale Erfahrungen hat, drei oder mehr Sprachen fließend sprechen kann und zusätzlich noch die nötige Motivation mitbringt, kann sogar zwischen mehreren Jobangeboten wählen. Zudem steigen die Löhne stetig, was den Bewerbern die Möglichkeit gibt, Arbeitgeber durch sogenannte „Soft Facts“ zu filtern. Gibt es viel Zeitdruck? Sind die Kapazitäten überlastet? Wie ist es um die Work-Life-Balance bestimmt?

Aber auch hier sollte die Aussicht mit Vorsicht genossen werden, denn die Schere der auswandernden und zurückkehrenden Chinesen schließt sich. Noch gehen mehr Studenten, als kommen. Aber verhältnismäßig kommen immer mehr Absolventen wieder. Das heißt, es werden in Zukunft immer mehr Absolventen auf dem chinesischen Markt ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen und somit die Aufstiegschancen, über kurz oder lang, erschweren.